Das Buch "Krabat" von Otfried Preußler

Der Klassiker erzählt vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse

25.10.2008 Elvira Lauscher

Das Buch „Krabat" ist 1971 erschienen. Durch den Film zum Buch erlangt es auch in der breiten Öffentlichkeit große Beachtung, der Ort Schwarzkollm ist berühmt.

In 31 Sprachen wurde das Buch bereits übersetzt und ist in den 1970er Jahren mit zahlreichen Preisen wie dem „Deutschen Jugendbuchpreis“ (1972), dem „Internationalen Hans-Christian-Andersen-Preis“ (1972) oder dem „Europäischen Jugendbuchpreis der Universität Padua“ (1973) ausgezeichnet worden und doch sind die Bücher „Die kleine Hexe“ oder „Der Räuber Hotzenblotz“ von Otfried Preußler bisher bekannter als „Krabat“. Der Räuber Hotzenblotz ist sogar ein richtiger Markenname geworden, der stellvertretend für andere Räubergeschichten steht. Da hatte es „Krabat“ bisher schwerer, sich im Gedächtnis zu verankern. „Ich glaube ja nicht an Zufälle, für mich ist es Fügung, dass die Geschichte, mit der ich mich mein ganzes Leben lang auseinandergesetzt habe, ausgerechnet zu meinem 85. Geburtstag ins Kino kommt“., meint der Autor Otfried Preußler über den Film „Krabat“, der am 9. Oktober 2008 in die Kinos kam. Und wer das Buch gelesen hat, freut sich, dass dieses Meisterwerk der Jugendliteratur dadurch wiederentdeckt wurde.

Im Traum wird Krabat in die Mühle gerufen

„Komm nach Schwarzkollm in die Mühle, es wird nicht zu deinem Schaden sein“, träumt der wendische Betteljunge Krabat, der den Traum zu Beginn nicht ernst nimmt. Erst als er ihn das zweite Mal träumt und die elf Raben, die ihm im Traum ebenfalls erscheinen, ihm zurufen „Gehorche der Stimme des Meisters. Gehorche ihr!“, will Krabat dem Ruf folgen und macht sich auf den Weg in die Mühle.

Die Mühle in Schwarzkollm

Dort lernt er die Mühlknappen kennen, elf an der Zahl. Mit Krabat sind es wieder zwölf, ein volles Dutzend und damit auch eine symbolträchtige Zahl. Man denke nur an die zwölf Apostel. Und auch in der Mühle gibt es Verräter, Mitläufer und wahre Freunde. Doch das und die näheren Umstände erfährt Krabat erst viel später. Die erste Zeit auf der Mühle lernt er vor allem, dass es kein Honigschlecken ist, ein Müllergesell zu sein. Trotz dem für einen Waisen guten Essen wie fetter Hafergrütze muss Krabat als der jüngste Knappe viel arbeiten. Korn schleppen, Mehl sieben, Holz spalten, Schnee räumen, den Kuhstall misten oder die Pferde striegeln. Und dazu lernt er vom einäugigen Meister eine wichtige Botschaft: „Wer viel fragt, der irrt viel.“

Die Mühle hat mehr als ein Geheimnis

Fragen sind nicht gerne gesehen auf der Mühle. Zu viel gäbe es zu entdecken, das einen jungen Gesellen davon abhalten könnte, den Schwur auf den Meister abzulegen. Einmal im Jahr, am Karsamstag und in der darauffolgenden Osternacht wird ein solcher erforderlich. „Ich werde dir, Meister, in allen Dingen gehorsam sein, jetzt und immerdar“, muss ein jeder der Knappen nach einer Nacht im Freien und dem akustischen Beiwohnen der Osterzeremonie und den Mädchengesängen in Schwarzkollm als Schwur ablegen. Auf der Stirn mit einen Asche-Stern aus fünf Zacken, dem Drudenfuß gezeichnet, der sich im Schweiße der Arbeit verwischen muss. Der Lohn dafür ist magisch: Alle körperliche Arbeit wird plötzlich leicht und angenehm.

Schwarze Magie aus dem Koraktor, dem Höllenzwang

Eine weitere Veränderung bringt der Schwur in Krabats Leben, denn auch er wird nun in der Schwarzen Schule unterrichtet. Einmal in der Woche am Freitag Abend verwandeln sich die Gesellen in Raben, sitzen auf einer Stange und hören dem Meister zu, der ihnen aus dem Koraktor vorliest. In diesem angeketteten Buch sind alle Zaubersprüche der Welt verzeichnet, die aber nur der Meister lesen darf. Die Raben-Gesellen lernen durch das Wiederholen die Zaubersprüche, die ihnen dieser zugesteht.

Die Nachteile der Schwarzen Magie

Doch nach und nach wird klar, dass man nichts geschenkt bekommt und schon gar nicht dunkle Mächte. Am Ende des ersten Gesellenjahres in der Neujahrsnacht stirbt Krabats Freund, der Altgesell Tonda und wird ohne Kreuz und christliche Rituale am Koselbruch, dem Wüsten Plan, beerdigt. Am Dreikönigstag ist ein neuer Gesell da, der in Tondas Kleider passt und auf seinem Bett schläft. Ein neues Jahr beginnt, ein neues Jahr der Rituale, der Osterzeremonie und ein neuer Tod am Ende des zweiten Jahres.

Krabat lernt die Liebe kennen

Ein Jahr auf der Mühle sind wie drei Jahre, und so ist der vierzehnjährige Krabat im zweiten Jahr bei der Osterzeremonie bereits siebzehn. Trotz Tondas Warnung verliebt er sich in die Kantorka, ein Bauernmädchen aus Schwarzkollm. Zuerst ist es nur die Stimme, doch dann sieht Krabat, als guter Freitagsschüler mit metamorphischen Fähigkeiten bewandert, in ihre Augen und damit auch in die Seele des Mädchens. Er wird eins mit dem Kerzenlicht, das die Kantorka vor sich herträgt. Diese Seelenverbindung der zwei Menschen hält bis zum Ende und diese Liebe ist das Pfand gegen das Böse. Denn nur die Liebe eines Mädchen kann einen Müllergesellen von seinem Schwur befreien und ihn von der Mühle und der Schwarzen Magie für immer lösen.

Die Krabat-Sage

Der ursprüngliche Stoff, der Otfried Preußler als Vorlage für seinen Roman diente, ist eine sorbische Volkssage, die Ende des 17. Jahrhundert nahe dem Ort Schwarzkollm in der Oberlausitz zwischen Hoyerswerda und Kamenz spielt. Wie die meisten Sagen und Märchen enthält der Stoff viel Symbolik und tiefsinnige Bedeutungen. Schon die Wahl der Mühle, in der immer etwas in Bewegung ist, obwohl sie stets am gleichen Platz steht, zeigt dies. In der Mühle am Schwarzen Wasser wird dazu nicht nur Mehl und Korn verkleinert, sondern zur Vollmondnacht Knochen und Zähne des „Herrn Gevatter“ gemahlen. Und auch die Verwandlung in Raben, Vorboten des Totes, und die immer wiederkehrenden symbolischen Zahlen zeigen die in die Geschichte verwobene Mythologie. Mit dem Meister sind es dreizehn Männer auf der Mühle, ein Jahr ist wie drei Jahre, Freitags wird die Schwarze Schule gelehrt ... Otfried Preußler schafft es, diese Mythologie und Symbolik in einer solch dichten und schönen Sprache zu erzählen, dass es nie aufgesetzt wirkt. Das Buch über Freundschaft und Liebe ist für Schüler ein Gewinn und für Erwachsene ein Lesegenuss.

Otfried Preußler: Krabat. dtv 2008. Taschenbuch, Großdruck, 352 Seiten. Euro 8,95.

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Otfried Preußler: Krabat, Deutscher Taschenbuch Verlag Otfried Preußler: Krabat
   

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